Verschiebung der Orgelweihe

Geht es um eine Verspätung, kennt der deutsche Sprachgebrauch zahlreiche Formulierungen: „Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden“, „Gut Ding will Weile haben“, „Kommt Zeit, kommt Rat“, „Was lange währt, wird endlich gut“, „Besser spät als nie“, „Wird’s noch was vor Weihnachten?“… Schon aus der Vielzahl der Formulierungen lässt sich schließen, dass eine verzögerte Fertigstellung eines Großprojektes gar nicht so selten ist – man denke da nur an Konzerthäuser, Bahnhöfe und Flughäfen.

In einer Stadt wie Mölln lässt sich auch die Sanierung der Scherer-Bünting-Orgel durchaus als Großprojekt einstufen – und auch hier müssen wir bekanntgeben, dass die Fertigstellung nicht, wie eigentlich geplant, am 3. Advent abgeschlossen sein wird. Einerseits ist es natürlich sehr bedauerlich, dass das festliche Einweihungswochenende dementsprechend ins nächste Frühjahr verschoben werden muss. Andererseits erscheint angesichts des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens die Durchführung der Veranstaltungen ohnehin kaum noch vertretbar.

So bleibt nicht nur die Hoffnung auf eine entspanntere Coronalage im kommenden Frühjahr, sondern auch die Aussicht auf ein liebevoll restauriertes Instrument, denn die Arbeiten gehen unvermindert weiter. Gerade die Intonierung der Pfeifen erweist sich als ausgesprochen aufwändig: aus Pfeifen unterschiedlicher Beschaffenheit und Qualität, je nach Orgelbauer und Epoche, gilt es, den einzelnen Registern einen homogenen Klang zu verleihen, ihnen aber gleichzeitig ihre individuelle, reizvolle Note zu belassen. Für dieses Kunststück brauchen die Intonateure in erster Linie Ruhe, äußerliche (weshalb die Kirche während der Intonierungsarbeiten zeitweise geschlossen ist) wie innere (weshalb eine Arbeit unter Zeitdruck der Qualität abträglich ist). Jede einzelne der mehr als 2500 Pfeifen muss mehrfach in die Hand genommen werden, um ihr mit manchmal kaum sichtbaren Veränderungen den passenden Klang zu entlocken. Schon ein winziges Stück Metall, kleiner als eine Stecknadelspitze, kann beispielsweise den Luftstrom behindern und muss entfernt werden.

Noch ist der neue Termin für die Einweihung offen. Sobald er gefunden ist, werden neue Einladungen verschickt und auch durch die Kirchengemeinde und den Orgelbauverein bekanntgegeben (z.B. auf www.orgelbauverein-moelln.de). Und ein zusätzlicher Vorteil bleibt durch die Verschiebung der Einweihung darüber hinaus zudem noch: zu Weihnachten 2021 lassen sich nun immer noch Pfeifenpatenschaften verschenken….

Hartmut Ledeboer