{"id":2994,"date":"2022-05-26T22:21:14","date_gmt":"2022-05-26T21:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/orgelbauverein-moelln.de\/?p=2994"},"modified":"2022-05-28T12:35:08","modified_gmt":"2022-05-28T11:35:08","slug":"die-orgel-ist-restauriert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/orgelbauverein-moelln.de\/?p=2994","title":{"rendered":"Die Orgel ist restauriert"},"content":{"rendered":"\n<p>Je l\u00e4nger man auf ein Ziel hinarbeitet, desto gr\u00f6\u00dfer werden meist auch die Erwartungen. Der Orgelbauverein arbeitet seit 2001 f\u00fcr die Restaurierung, die Orgelbaufirma Flentrop seit 2018, seit Herbst 2018 musste die St. Nicolai-Kirche auf ihre gro\u00dfe Orgel verzichten. W\u00fcrde alles so werden, wie erhofft? Oder erleben wir eine Entt\u00e4uschung? Die Stimmung der Orgel wird anders als fr\u00fcher, das Registrieren erfordert erheblich gr\u00f6\u00dferen Aufwand, ist vom Organisten kaum alleine zu leisten, f\u00fcr das Zusammenspiel mit der Orgel sind spezielle Instrumente erforderlich, ein Gro\u00dfteil der romantischen Literatur wird auf der Orgel wenig \u00fcberzeugend klingen &#8211; ist der Preis des R\u00fcckbaus wom\u00f6glich zu hoch?<\/p>\n\n\n\n<p>Je nun, eine Orgel, die f\u00fcr jedes Musikst\u00fcck optimal einsetzbar ist, gibt es ohnehin nicht. Mit einem Sportwagen sollte man ja auch nicht quer \u00fcber den Acker heizen! Und so stieg die Spannung weiter bis zum Einweihungswochenende. Bleiben wir im vorigen Bild, d\u00fcrften wir sagen, wir haben einen ausgesprochenen Supersportwagen erleben d\u00fcrfen! Die Firma Flentrop hat wahrhaft gro\u00dfes geleistet! Aus dem vorhandenen Durcheinander von Pfeifen unterschiedlicher Erbauer und Epochen ein \u00fcberzeugendes Instrument zu formen, ist eine absolute Meisterleistung. Nur folgerichtig geriet das Einweihungswochenende zu einem gro\u00dfen Fest, bei dem die Scherer-B\u00fcnting-Orgel optisch wie akustisch strahlen durfte. Ersteres tat sie aufgrund der restaurierten Farbfassung, der aufgefrischten Vergoldung und der neuen, auf sie gerichteten Scheinwerfer, die den Prospekt gleichm\u00e4\u00dfig ausleuchten. F\u00fcr letzteres sorgten die beteiligten Organisten, die die Farbigkeit der unterschiedlichsten Registrierungen in immer wieder neuen Kombinationen pr\u00e4sentierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem im Rahmen der Weihe die Gemeinde zuerst noch 4 Strophen des Chorals &#8222;Ich singe dir mit Herz und Mund&#8220; (EG 324) a cappella gesungen hatte, erklang die Orgel erstmalig, wie es ihre zentrale Aufgabe ist, als tragendes Instrument bei drei weiteren Strophen des Chorals zum Abschluss der vom M\u00f6llner PastorInnenteam vorgenommenen Weihe &#8211; ein bewegender Moment nach dreieinhalb Jahren des Orgelschweigens!<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem anschlie\u00dfenden Einweihungskonzert erwies sich sofort, dass die Scherer-B\u00fcnting-Orgel aber zu weit mehr taugt als zu liturgischen Aufgaben: Prof. Pieter van Dijk zeigte mit seinem Programm, wie frisch und farbreich die Orgel in der Musik des 16. und 17.Jh. klingt. Prof. Arvid Gast spannte den musikalischen Bogen weiter \u00fcber eine Komposition seines L\u00fcbecker Kollegen Franz Danksagm\u00fcller aus dem Jahre 2007 bis zur ber\u00fchmten d-moll- Toccata BWV 565 von Johann Sebastian Bach und bewies damit, dass die Scherer-B\u00fcnting-Orgel sich im Repertoire nicht auf die Renaissance- und fr\u00fche Barockzeit beschr\u00e4nken muss. Zu einer Bearbeitung von Variationen eines Fl\u00f6tenquartetts von Wolfgang Amadeus Mozart fanden sich beide Organisten zusammen und zauberten vielen Zuh\u00f6rern mit ihrem delikaten Spiel ein genussvolles L\u00e4cheln ins Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei S\u00e4ulen bestimmten den Samstag: W\u00e4hrend im Gemeinschaftshaus in der Seestra\u00dfe Kinder, Jugendliche und interessierte Erwachsene unter der Anleitung von Andrea Battige und Thimo Neumann am Bausatz einer kleinen Orgel erfuhren, wie eine Orgel funktioniert, fanden vor interessiertem Publikum auf der Ratsdiele gut besuchte Vortr\u00e4ge in Zusammenhang mit der Scherer-B\u00fcnting-Orgel statt: \u00fcber die Orgelbauer in M\u00f6lln und \u00fcber die Restaurierung (Erik Winkel), \u00fcber den Fund der aus Kappeln\/Schlei \u00fcbernommenen Pfeifen Jacob Scherers (Orgelbaumeister Reinalt Klein) und \u00fcber Dokumente von Jacob Scherer aus Stettin (Prof. Krzysztof Urbaniak). Bei Interesse lassen sich die Vortr\u00e4ge in der \u201eFestschrift zur Orgelweihe\u201c nachlesen, die f\u00fcr 10,- \u20ac im Kirchenb\u00fcro (Tel.: 04542 856880) oder \u00fcber den Orgelbauverein (Tel.: 04542 89112) zu bekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Am sp\u00e4teren Nachmittag stellte die Scherer-B\u00fcnting-Orgel im Konzert des Ensembles Marescotti (Uta Singer, Sopran ; Katrin Krau\u00df-Brandi und Hartmut Ledeboer, Blockfl\u00f6ten; KMD Volker J\u00e4nig, Orgel) ihre Tauglichkeit als Instrument f\u00fcr Kammermusik unter Beweis. Mit den passenden Instrumenten geht die Orgel eine faszinierende Symbiose ein. Im Anschluss berichtete Volker J\u00e4nig, vor mehr als zwanzig Jahren Initiator der Restaurierung, \u00fcber die Chancen mit einer historischen Orgel, basierend auf seinen Erfahrungen mit der Schwalbennestorgel an St. Marien in Lemgo.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss des Abends bildete ein atmosph\u00e4risches Konzert bei Kerzenschein, f\u00fcr das Prof. Harald Vogel Musik aus norddeutschen Manuskripten der Renaissance ausgew\u00e4hlt hatte, versehen mit ausf\u00fchrlichen Erl\u00e4uterungen. So vermittelte sich ein plastischer Eindruck einer Zeitreise zur Musik des 16. und fr\u00fchen 17. Jahrhunderts, als h\u00e4tten die Orgelbauer Jacob Scherer, Hans K\u00f6ster und Friedrich Stellwagen M\u00f6lln gerade verlassen. Dank des tatkr\u00e4ftigen Einsatzes als Kalkant (Balgtreter) von Wiete van der Putten, Mitarbeiter der Fa. Flentrop, erklang die Orgel dabei ohne Motor, also versorgt mit \u201elebendigem Wind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des sonnt\u00e4glichen Festgottesdienstes stellte die Scherer-B\u00fcnting-Orgel unter den H\u00e4nden (und F\u00fc\u00dfen) von Kantor Thimo Neumann ihre musikalische Alltagstauglichkeit unter Beweis: neben festlichen Kl\u00e4ngen und der tragenden Kraft f\u00fcr den Gemeindegesang zeigte sich die Orgel auch von ihrer humorvollen Seite und erwies im Rahmen der Taufe auch Pippi Langstrumpf eine kurze musikalische Referenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen w\u00fcrdigen Ausklang fand das Wochenende mit dem mitt\u00e4glichen Konzert des polnischen Organisten Prof. Krzysztof Urbaniak, der mit einem abwechslungsreichen Programm aus dem Hanseraum und der C-Dur Toccata BWV 566a von Johann Sebastian Bach f\u00fcr einen klangvollen wie begeisternden Abschluss sorgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Res\u00fcmee zwei Zitate aus berufenen M\u00fcndern:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie M\u00f6llner Scherer-B\u00fcnting-Flentrop-Orgel kann jetzt als Vorbild dienen. Sie ist ein beachtliches Denkmal, das weit \u00fcber M\u00f6lln und unsere Orgellandschaft hinaus strahlen wird als ein bedeutender Beitrag der Orgelkultur, die im Jahr 2017 von der UNESCO zum \u201eImmateriellen Weltkulturerbe\u201c ernannt wurde.\u201c (Orgelsachverst\u00e4ndiger KMD Hans-Martin Petersen in der Festschrift)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer gestrige Besuch in M\u00f6lln hat meine Erwartungen erf\u00fcllt und \u00fcbertroffen. Das Restaurierungsprojekt hat zu einem Ergebnis gef\u00fchrt, das unserer Wahrnehmung des norddeutschen Orgelrepertoires der Renaissance ein erweitertes Fundament geben wird. Das Ensemble von drei so alten Prospektprinzipalen, den Consortregistern in drei Manualwerken und dem Plenum mit Blockwerkcharakter im Pedal ist einzigartig. Es wird getragen von einer ausgezeichneten Akustik, in der sich F\u00fclle und Transparenz vereinen.\u201c (Prof. Harald Vogel per Mail)<\/p>\n\n\n\n<p>Hartmut Ledeboer<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><sub><strong>Beitragsfoto<\/strong><br>Reihe 1 vorn: Prof. Pieter van Dijk, Frits Elshout Fa. Flentrop, Kantor Thimo Neumann, Brigitte Ledeboer Orgelbauverein<br>Reihe 2: Erik Winkel u. Wiete van der Putten Fa. Flentrop, Prof. Arvid Gast, KMD Hans-Martin Petersen<br>Reihe 3: Hartmut Ledeboer, Christian Brosse, Matthias Helmhagen, (alle Orgelbauverein)<\/sub><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je l\u00e4nger man auf ein Ziel hinarbeitet, desto gr\u00f6\u00dfer werden meist auch die Erwartungen. Der Orgelbauverein arbeitet seit 2001 f\u00fcr die Restaurierung, die Orgelbaufirma Flentrop seit 2018, seit Herbst 2018 musste die St. Nicolai-Kirche auf ihre gro\u00dfe Orgel verzichten. W\u00fcrde alles so werden, wie erhofft? 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